Santa Catarina nimmt eine führende Position in der brasilianischen Rangliste zur wirschaftlichen und humanen Entwicklung ein. Im Süden Brasiliens gelegen und von allen großen Städten Lateinamerikas schnell zu erreichen hat das Bundesland immer schon Unternehmer verschiedenster Herkunft angezogen. Hier lebt man gut, die Natur zeigt sich großzügig und es gibt unzählige Wachstumsmöglichkeiten.
Santa Catarina ist eine Region, die für ihre Naturschönheiten, ihr historisches Erbe und den Unternehmergeist seiner Bevölkerung bekannt ist. Hier lebt man länger und besser als in anderen Bundesländern. Sein städtischer Entwicklungsindex HDI1 liegt bei 0,822. Er kann damit auch international als hoch eingestuft werden und liegt landesweit hinter dem Hauptstadtdistrikt auf dem zweiten Platz.
Die guten Lebensbedingungen in Santa Catarina schlagen sich zum Beispiel in der Lebenserwartung von 73,7 Jahren nieder. Die Menschen Santa Catarinas leben im Durchschnitt fünf Jahre länger als der durchschnittliche Brasilianer und beinahe zwei Jahre länger als die Einwohner von Rio Grande do Sul, dem zweitplatzierten Bundesland.
Von den 33 städtischen Großräumen des Landes liegen die drei bezüglich ihres Entwicklungsindexes bestplatzierten in Santa Catarina: der Großraum Florianópolis, Joinville und Blumenau. Unter den zehn bestplatzierten liegen nur vier in anderen Bundesländern. Unter den 100 Städten mit dem höchsten Entwicklungsindex liegen 27 in Santa Catarina. Von den 573 brasilianischen Städten und Gemeinden, die einen als hoch eingestuften Entwicklungsindex aufweisen, befinden sich 123 (mehr als 20%) in Santa Catarina. Florianópolis gilt als die Landeshauptstadt mit der höchsten Lebensqualität und landesweit als die zum Leben viertbeste, jeweils nach UNO-Kriterien.
Florianópolist ist auch die brasilianische Stadt, die in den letzten drei Jahrzehnten das größte wirtschaftliche Wachstum aufweist. Sein BIP wuchs pro Kopf um jährlich 6% und beträgt momentan an die 10000 US-Dollar – beinahe das Doppelte des nationalen Durchschnitts. Laut einer Studie der Brasilianischen Akademie für Verwaltung ist Florianópolis die achtbeste Stadt Brasiliens, um beruflich Karriere zu machen. Darüberhinaus liegt Florianópolis hinsichtlich der Bemühungen um digitale Inklusion mit einem Index von 33,29% unter den Landeshauptstädten auf dem ersten und unter den Großstädten allgemein auf dem dritten Platz, wie eine Studie der Getulio-Vargas-Stiftung ergab. Unter den 50 landesweit bestplatzierten Städten und Gemeinden befinden sich sieben in Santa Catarina.
Santa Catarina weist hinsichtlich des von der UNESCO entwickelten Entwicklungsindexes für Jugendliche landesweit die besten Resultate auf. Es liegt bezüglich der Qualität in den Bereichen Ausbildungsqualität, Gesundheit und Einkommen auf dem ersten Platz, im Bereich Angemessene Schulbildung auf dem zweiten Platz. Der Analphabetismus unter Jugendlichen ist praktisch inexistent. Mit einer Rate von unter 1% führt Santa Catarina in diesem Punkt die nationale Rangliste an.
Während landesweit die Kindersterblichkeitsrate – die Zahl der pro 1000 Geburten mit weniger als einem Jahr gestorbenen Kinder – 25,8 beträgt, liegt sie in Santa Catarina beträchtlich darunter, nämlich bei 17,2.
Die Form, wie Santa Catarina sich weiterhin auf dem Weg des Fortschritts bewegen will, ist bereits vorgezeichnet: sie liegt in der Ausbildung seiner Bevölkerung. Es ist eine Eigenart des Bundeslandes, dass er beständig um die Ausbildungsqualität besorgt ist, und dies von der Grundschule bis zur Universität. Diese Sorge hat dem Bundesland eine Modellfunktion eingebracht. Man findet hier auf 28 Städte verteilt 108 Hochschulinstitutionen. 15,3% der arbeitsfähigen Bevölkerung Santa Catarinas besuchte eine Hochschule und 43,5% haben ihre Schulausbildung vollständig abgeschlossen. Gleichzeitig werden die Kinder Santa Catarinas sorgfältig auf ihre Zukunft vorbereitat. Nationale Statistiken weisen aus, dass das Bundesland die höchste Schulbesuchsrate Brasiliens für Kinder zwischen 7 und 14 Jahren aufweist, nämlich 93,8%, während es landesweit 89,8% sind.
Die Lebenshaltungskosten sind niedriger als in anderen Bundesländern, die Schulen sind gut und die pro-Kopf-Kaufkraft der Einwohner Santa Catarinas ist eine der höchsten des Landes.
Die gute Ausbildung und die hohe Lebensqualität, verbunden mit einer effizienten Sicherheitspolitik der öffentlichen Hand, schlagen sich direkt in den Gewaltstatistiken nieder. In Santa Catarina liegen deren Werte weit unter dem nationalen Durchschnitt. Daten des Justizministeriums zeigen, dass die Rate für Verbrechen mit Körperverletzung oder Todesfolge bei 11,5 pro 100 Tausend Einwohner liegt, während die landesweite Rate bei 30 liegt. Im benachbarten Bundesland Rio Grande do Sul ist die Rate doppelt so hoch wie in Santa Catarina, und im nördlich benachbarten Bundesland Paraná sogar fünfmal so hoch.
In dem 2007 von der Organisation ibero-amerikanischer Studien veröffentlichten Untersuchung zu Gewaltverbrechen in brasilianischen Städten ist Santa Catarina das Bundesland mit der niedrigsten Mordrate Brasiliens. Die Mordrate liegt bei 11 Morden pro hunderttausend Einwohner (der brasilianische Durchschnitt beläuft sich auf 25,9). Von den 293 Kommunen Santa Catarinas gehören nur sechs zu den 556 gewalttätigsten Städten Brasiliens: Planalto Alegre, Santa Cecília, Passos Maia, Irati, Vargem e Palmeira, alles kleine Kommunen im Westen und Mittleren Westen.
Es ist kein Zufall, dass die Zeitschrift Newsweek in ihrer europäischen Ausgabe vom 3. Juli 2006 die Hauptstadt Santa Catarinas Florianópolis zu den zehn wachstumsstärksten Städten des Planeten zählte. Der Artikel hebt hervor, dass die positive Entwicklung damit begann, dass die Stadtverwaltung die Ansiedlung von Industrieanlagen auf der Insel Santa Catarina verbot.
Die Zahlen der Tourismusbranche beiweisen ein beständiges Wachstum – die Saison 2007 weist die besten Umsätze der letzten 10 Jahre auf. Die Zahl der Touristen erreichte 3,1 Millionen, was einem geschätzten Einkommen von 777 Millionen US-Dollar entspricht, und die Hotelauslastung auf 70,16% ansteigen ließ.
Überblick über den Entwicklungsindex HDI in Brasilien
Städtische Großräume
HDI-M 2000
HDI-M 1991
Relatives Wachstum(%)
1º Florianópolis
0,859
0,801
7,2
2° Der Norden/Nordosten Santa Catarinas
0,853
0,802
6,0
3º Das Itajaítal
0,850
0,802
6,0
4º Tubarão
0,835
0,788
6,0
5º Campinas / SP
0,835
0,778
7,3
6º Porto Alegre / RS
0,833
0,782
6,6
7º São Paulo / SP
0,828
0,792
4,5
8º Wirtschaftsgroßraum des Itajaítals
0,826
0,758
8,9
9º Wirtschaftsgroßraum der Kohleförderung in Santa Catarina
0,824
0,737
11,7
10º Curitiba
0,824
0,763
8,0
Fonte: PNUD.
Santa Catarina
Fläche
95.442 Km2 (1,12% des brasilianischen Landfläche)
Bevölkerung
5,9 Millionen Einwohner (Schätzung 2006)
Bevölkerungsdichte
62,5 Einwohner/km2
Hauptstadt
Florianópolis
Wert der Exporte
US$ 5,9 Milliarden (2006)
PIB pro Kopf
US$ 7.913 (Schätzung 2006)
PIB
US$ 45,9 Milliarden (Schätzung 2006)
Höchste Erhebung
Morro da Bela Vista (Urubici), 1.827 Meter
Durchschnittstemperaturen
Zwischen 13 und 25 Grad Celsius. Tiefstemperatur: -5°C / Höchstemperatur: 35°C
Im Laufe des 19. Jahrhunderts kamen Deutsche und Italiener nach Santa Catarina. Zuerst kamen die Deutschen, die 1828 São Pedro de Alcântara gründeten. Eine zweite Gruppe kam 1850 an, besiedelte das Itajaí Tal und gründete Blumenau sowie weitere Siedlungen im Umkreis. Durch Arbeitseinsatz und Hartnäckigkeit gründeten sie kleine landwirtschaftliche Betriebe und Unternehmen. Sie kamen zu Wohlstand, und viele der Unternehmen verwandelten sich in große Industriebetriebe, die heute für die Wirtschaft Santa Catarinas überlebenswichtig sind.
Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts, etwa ab 1875, kamen in beträchtlicher Menge italienische Einwanderergruppen an und bildeten schließlich die größte Einwanderergruppe Santa Catarinas. Allerdings erfolgte die erste Einwanderung schon 1836, als eine Gruppe von 180 Sarden das Dorf Nova Itália am Ufer des Flusses Tijucas gründete, wo heute sich die Gemeinde São João Batista ausdehnt. Die Nachkommen der italienischen Einwanderer stellen etwa die Hälfte der gegenwärtigen Bevölkerung. Sie besiedelten in erster Linie den Süden, die Küstenregion und in Nachbarschaft zu deutschen Einwandererdörfern auch das Itajaítal und den Norden des Bundeslandes. Die Stadt Urussanga war das Zentrum der damaligen Einwanderungsregion Azambuja, die 1877 gegründet wurde. Die Einwanderer, die sich dort niederließen, kamen zum Großteil aus der Gegend nördlich von Venedig. Gemeinsam mit Landsleuten aus der Lombardei, der Gegend um Friaul und aus Südtirol bildeten sie das größte Einwanderungsgebiet in Süd Santa Catarina. Sie brachten ihre Kenntnisse des Korn- und Traubenanbaus, der Käse- und Wurstproduktion mit. Es gibt viele Städte die italienische Gründungen sind – im Süden Criciúma, Tubarão, Urussanga, Nova Veneza und Orleans, im Itajaítal etwa São João Batista, Rodeio, Nova Trento, Botuverá und Ascurra; im Westen neben vielen anderen Videira, Tangará und Pinheiro Preto. In allen von ihnen werden die von den Gründervätern überlieferten Traditionen weitergeführt: der Traubenanbau und die Weinkelterei, ein üppig gedeckter Tisch, die Lebensfreude und die Religiosität.
Addiert man die Sommerurlauber, die Besucher von Messen und Volksfesten – und dazu gehören auch die bekannten Oktoberfeste – die Seniorenurlauber und die zum Heiligtum der Santa Paulina strömenden Pilger, dann besuchen jährlich mehr als 8 Millionen Menschen die Touristenattraktionen Santa Catarinas. Das sind mehr als doppelt so viele wie das Bundesland Einwohner zählt. Allein in der Hauptsaison während des Sommers kommen etwa 3 Millionen Besucher, von denen 70% aus anderen brasilianischen Bundesländern (61%) oder dem Ausland (9%) kommen, die einen Umsatz von geschätzten 777 Millionen US-Dollar bedeuten.
Die Durchführung von Kongressen, Messen und anderen Großveranstaltungen gewinnt immer mehr an Bedeutung. Elf Städt besitzen bereits ein Kongress- und Besucherzentrum. Mehr als elftausend Veranstaltungen finden in den über 100 dafür existierenden speziellen Gebäuden statt. Sie werden von über 5 Millionen Teilnehmern besucht. Allein im Oktober ziehen 12 Volksfeste etwa eine Million touristen an. Das größte unter ihnen ist das Oktoberfest in Blumenau, zu dem 600 Tausend Besucher kommen. Der Tourismus für Senioren befindet sich in Santa Catarina in ständigem Wachstum. Allein Balneário Camboriú etwa wird von März bis Mai von 100 Tausend Seniorenurlaubern besucht. Das Heiligtum der Santa Paulina in Nova Trento ist das zweithäufigst besuchte religiöse Pilgerziel Brasiliens und wird jährlich von einer Million Menschen besucht.
Der Hotelsektor in Santa Catarina registrierte in den letzten vier Jahren ein Wachstum von 100%. Die Zahl der Betriebe hat sich laut einer Erhebung des brasilianischen Hotellerieverbandes mehr als verdoppelt, von 900 auf 2000. Das Hotelwesen Santa Catarinas bietet circa 200 Tausend Betten und schafft 150000 direkte und indirekte Arbeitsplätze.